Wissenschaftliche Begleitung zur „Einführung einer Kundenkarte PlusCard mit eTicket-Funktion für den Nahverkehr“

Einführung des FlexAbos

Seit 2013 können die Fahrgäste der Stadtwerke Münster elektronische Tickets nutzen. In einer wissenschaftlichen Begleitforschung wurde vom Institut für Verkehrswissenschaft Münster in Kooperation mit dem Institut für Mobilität und Verkehr der Westfälischen Hochschule untersucht, wie die Kunden der Stadtwerke Münster auf die Umstellung reagieren. Dazu wurden sowohl vor der Einführung der elektronischen Tickets als auch danach schriftliche Befragungen unter Abonnenten und Gelegenheitskunden durchgeführt.

Mit dem (((eTicket für den Nahverkehr wurde das bisherige reine Kundenbindungs-instrument PlusCard der Stadtwerke Münster erweitert. Die Abonnements wurden 2014 vollständig auf die neue PlusCard mit (((eTicket-Funktion umgestellt. Das bestehende Angebot wurde um ein Abonnement ergänzt, das die Vorteile eines elektronischen Tickets ausschöpft und den Kunden durch flexible Preise Anreize bietet, Fahrten aus der Verkehrsspitze vor 8:00 Uhr zu verschieben: das FlexAbo.

Der Preis des FlexAbos ist abhängig von den Fahrten vor 8 Uhr. (Quelle: Stadtwerke Münster)

Verkehrsverhaltenssimulation

Der Rechnungsbetrag des FlexAbos ist davon abhängig, wie häufig der Abonnent in der Verkehrsspitze fährt, der maximale Monatspreis entspricht dem Preis des gewöhnlichen MünsterAbos (vgl. Abbildung links). Im Vergleich zum MünsterAbo ist das FlexAbo allerdings nicht übertragbar und es können keine Personen am Abend bzw. an Wochenenden kostenlos mitgenommen werden.

Die Analyse der Entlastungsmöglichkeiten der Verkehrsspitze erfolgte auf Basis der Befragung vor der Umstellung auf (((eTickets. Die Abonnenten wurden gefragt, wie oft und zu welcher Zeit sie den Bus in der vergangenen Woche genutzt haben. So konnten die Anteile der MünsterAbo-, JobTicket-, 9 Uhr MünsterAbo- und 60plusAbo-Kunden bestimmt werden, die den Bus in der Verkehrsspitze nutzen.

Beispiel für Entscheidungssituationen (Quelle: Eigene Darstellung)

Abonnenten, die Fahrten vor 8:00 Uhr durchführten, wurden in Wahlexperimenten (vgl. Abbildung oben) aufgefordert, zu überlegen, wie sie sich verhalten würden, wenn ihre bisherigen Abonnements durch das FlexAbo ersetzt würden. Mithilfe der Discrete Choice Analysis wurden Simulationsrechnungen durchgeführt.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Verkehrsspitze mit dem damals geplanten und mittlerweile umgesetzten Zuschlag und Höchstpreis des FlexAbos bei den MünsterAbo- und den JobTicket-Kunden um etwa 25 % entlastet werden könnte. 11 % bzw. 7 % würden die Fahrten zeitlich verschieben, 6 % bzw. 8 % würden stattdessen mit dem Auto fahren und 8 % bzw. 10 % würden für die Fahrten das Fahrrad nutzen. Da es sich hier wesentlich um Berufspendler mit durchschnittlich etwa vier Fahrten in der Verkehrsspitze handelt, ist weiter auszugehen, dass Kunden, die angaben, mit dem Pkw oder Fahrrad zu fahren, ganz auf ein Abonnement verzichten würden. Dieser Effekt verstärkt sich, wenn der Zuschlag und/oder der Höchstpreis erhöht würden.

Wenn auch das 9 Uhr MünsterAbo und das 60plusAbo, das erst ab 8:00 Uhr gültig ist, durch FlexAbos ersetzt würden, könnten diese Abonnenten den Nahverkehr in der Verkehrsspitze günstiger nutzen. Die Untersuchung zeigte, dass die daraus resultierende, zusätzliche Belastung geringer wäre als die Entlastung durch die Abwanderung der MünsterAbo- und JobTicket-Kunden aus der Zeit vor 8:00 Uhr.

Beobachtetes Verkehrsverhalten

In der zweiten Befragung bestand die Möglichkeit, die ersten FlexAbo-Kunden nach ihren tatsächlichen Reaktionen zu befragen. Es zeigte sich, dass gut die Hälfte der FlexAbo-Kunden, den Stadtbus ohnehin fast ausschließlich nach 8:00 Uhr nutzt und somit ohne Verhaltensanpassung in den Genuss des günstigen Grundpreises kommt. Etwa ein Fünftel der FlexAbo-Kunden kann Fahrten vor 8:00 Uhr nicht verschieben. Diese Gruppe kommt ebenfalls ohne Anpassung ihres Verkehrsverhaltens in den Genuss eines günstigeren Preises z.B. durch Urlaubszeiten oder bei bestimmten Arbeitsschichten. Etwa ein Viertel der FlexAbo-Kunden gab an, ihr Verkehrsverhalten aktiv geändert zu haben, nämlich Fahrten aus dem Zeitraum vor 8:00 Uhr in den Zeitraum nach 8:00 Uhr zu verschieben.

Mögliche Fahrverhalten der FlexAbo-Kunden (Quelle: Eigene Darstellung)