Eventmanagement mit Theater-Input

Dienstag, 23. Mai 2017
Projektmanagerin Benedikte Baumann besuchte die Lehrveranstaltung "Eventmanagement" von Prof. Dr. Julia Frohne und berichtete aus ihrem Arbeitsleben, das sie vom Theater über das Fernsehen hin zur Projektleitung von Groß-Events führte.

"Von der Ausbildung her bin ich Theaterregisseurin", sagte Baumann zu Beginn des Vortrags. „Nach dem Studium in Ulm habe ich an verschiedenen Theatern der Bundesrepublik Stücke inszeniert. Dieses Leben hat mir jedoch auf Dauer nicht gefallen, da man fünf, sechs Wochen an einem Haus für die Inszenierung verantwortlich ist und dann nach der Premiere direkt weiter zum nächsten Ort und zur nächsten Inszenierung zieht", sagte sie.

Filmarbeiten mit Wim Wenders

Es zog Baumann zur Hochschule für Film und Fernsehen in München. Sie arbeitete dort als Aufnahmeleiterin und Regieassistenz. In Zusammenarbeit mit Wim Wenders entstand der Film "Die Gebrüder Skladanowsky", der sich mit der Entstehung des Kinos in Berlin befasst. In dieser Zeit lernte sie auch Schauspieler wie Dietmar Bär oder Iris Berben, aber auch die Schattenseiten der Industrie kennen: „Wenn ein Film nach zwei oder drei Jahren fertig ist, steht nur ein Bruchteil der Verantwortlichen auf der Bühne und hat was davon. Die ganzen Arbeitssklaven dahinter, 50 bis 60 Leute, die sieht niemand. Ich musste mir gut überlegen, ob das der Weg war, den ich gehen wollte".

Nach drei Jahren ging sie zum Fernsehen und stellte fest: "Was ich als Theaterregisseurin gelernt habe, das macht hier ein Fernsehredakteur. Er trifft die Entscheidung über die Reihenfolge der Kandidaten, er entscheidet, wer bei einer Sendung dabei ist. Ich habe in dieser Zeit Konzepte für Kinofilme oder Spots für die Expo 2000 geschrieben. Damals konnte man 7.500 Mark als Redakteurin bei einer Produktionsfirma verdienen, das war ein sehr gutes Gehalt. Ich überlegte, wo meine Nische, mein eigener Platz sein sollte".

Im Fernsehbereich schaffte sie den Weg bis zur stellvertretenden Produzentin, fasste dann aber den Entschluss, in die Festivalszene zu gehen. "Während der Anfangszeit habe ich in Berlin, München, Stuttgart, Ulm, Münster, Köln und Leipzig gelebt. Ich arbeitete unter anderem für das Festival "Theater der Welt" und das Festival "Schöne Aussicht". Für die Kulturhauptstadt 2010 bin ich ins Ruhrgebiet zurückgekehrt".

Zwei Standbeine als Sicherheit

"Wenn mich jemand fragt „Was machst Du denn beruflich?“ ist "Theaterregisseurin" die einfachste Antwort. Ich bin aber auch Trainerin und Coach. Mein erstes Standbein sind die Projekte, die zweite Säule sind Seminare und Weiterbildungen in der freien Wirtschaft. Pro Jahr kommen so 20 bis 25 zweitägige Managementseminare in Deutschland und der Schweiz zusammen. Das ist eine gute Ergänzung und finanzielle Absicherung, weil Projekte manchmal doch nicht stattfinden. Beispielsweise habe ich das Konzept für das Projekt "Movie meets Modern Art" geschrieben, bei dem Regisseure wie Woody Allen eine Auseinandersetzung mit Kunstwerken aus dem K21 in Düsseldorf erarbeiten sollten. Dann gab es Ärger zwischen den Produzenten und der Finanzier, sodass das Projekt ausfiel. Solche Verschiebungen sind eine häufig auftretende Erscheinung in der Wirtschaft. Ein zweites Standbein ist dafür ein idealer Puffer", sagte Baumann.

"!SING - Day of Song"

Zur Veranschaulichung brachte sie das größte Projekt ihres Lebens mit: Den "!SING - Day of Song" im Jahre 2010. Die Studierenden erinnerten sich an Details dieses Projektes im Rahmen der Kulturhauptstadt 2010, zum Beispiel an die "Singsäulen" oder das auffällige Logo. Angefangen hatte alles bereits 2007 mit einem Auftrag für eine Machbarkeitsstudie. "Für mich war das damals Neuland und ich erarbeitete die Inhalte, die ein solches Projekt braucht. Das Ziel war damals, die interkommunale Zusammenarbeit zu stärken und für eine Strahlkraft nach innen und außen zu sorgen. Daraus wurde ein Gesangfestival. Es gab Sing-Day-of-Song-Beauftragte in 49 Städten, kooperierende Institute und Opernhäuser. Im ganzen Ruhrgebiet fanden 600 Auftritte mit insgesamt 26.000 Teilnehmern statt. Die Krönung war das Abschlusskonzert auf Schalke mit Sängern wie Bobby McFerrin oder den Wise Guys und 60.000 Menschen im mitsingenden Publikum. Nun stand ich dort, als freie Projektleiterin mit zweieinhalb Jahren Vorarbeit. Bei diesem Projekt konnte ich alles anwenden, was ich bisher gelernt hatte", sagte Baumann. Sie ließ die Studierenden schätzen, wie groß wohl das Kernteam gewesen sei, ein solches Projekt zu konzipieren und umzusetzen. Die Schätzungen lagen bei 50 Personen aufwärts. „Tatsächlich waren wir zu acht“ verblüffte Benedikte Baumann die Zuhörerschaft. "Aus dem personellen Defizit zu arbeiten, hat mit dem finanziellen Rahmen von Projekten zu tun.“

Gestalterisches Moment für das Kundenjubiläum

Auch für das 25-jährige Jubiläum von Metafinanz wurde sie vom Unternehmenstheater VitaminT in München als Konzeptionerin  engagiert. Das Ergebnis war eine gigantische 360-Grad-Projektion, die mit 120 Metern Projektionsfläche dem Publikum eine Zeitreise mit einem Flug ins Weltall und dem Rückflug in den Schwarzwald ermöglichte. "Hier war das gestalterische Moment gefragt. Das Unternehmen möchte eine Botschaft vermitteln und hat den Wunsch, bei den Kunden Eindruck zu schinden".

Zum Abschluss fragte eine Studierende, wie Baumann es schaffe, fünf Projekte nebeneinander zu bearbeiten und zusätzlich noch Seminare zu geben. Baumann antwortete: „Das ist alles eine Frage von Zeitmanagement und Disziplin. Mir haben schon viele Menschen gesagt, dass ich mich nicht immer mit 300 Prozent reinknien soll, dass 100 Prozent auch reichen würden. Andere Menschen geben gerade mal 70". Um dauerhaft als Selbständige überleben zu können, seien große Leidenschaft und Freude für das eigene Tun sehr wichtig. Mittlerweile schafft Benedikte Baumann dies erfolgreich seit 24 Jahren.

Benedikte Baumann erzählte den Studierenden von ihrer Arbeit als Konzeptionerin.

Sie brachte ein Projektbeispiel aus Stuttgart mit.

Auch ihr größtes Projekt wurde vorgestellt, der "!SING - Day of Song".

Nach dem Vortrag beantwortete Baumann die Fragen einiger Studierenden.

Prof. Dr. Julia Frohne bedankte sich für den Besuch von Benedikte Baumann.

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