Praxissemester bei der Robert Bosch GmbH, JAPAN
Thomas Radke, Fachbereich Wirtschaftsingenieurwesen Bocholt
Während meines Praxissemesters wollte ich eine vollständig unterschiedliche Kultur erleben. Japan hat mich fasziniert, weil es gleichzeitig eine Wirtschaftsmacht ist, allerdings auf völlig unterschiedlichem Wege dies erreicht hat.
Japan ist nicht nur wergen seiner Kultur die ganze Mühe wert, sondern bietet unzählige Reiseziele, die auf das Land und die Leute neugierig machen. Tempel, Schreine, Burgen findet man über das ganze Land verteilt.
Von den Millionenstädten Tokyo, Osaka oder Hiroshima bis hin zu Naturschauspielen wie die Besteigung des Fuji-san oder der noch aktive Aso-san, gibt es eine riesige Vielfalt.
Das Land ist von der Fläche etwas größer als Deutschand, doch durch seine gebirgige Landschaft wohnen 70% der Bevölkerung auf 3% der Fläche. Das führt zu einer enormen Bevölkerungdichte, ermöglicht aber andererseits ein leistungsfähiges öffentliches Verkehrsnetz. So ist es möglich, die rund 600km zwischen den Millionenstädten Osaka und Tokyo, mit dem Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen, in weniger als 2 ½ Stunden zurückzulegen.
Die schönste Zeit des Jahres ist die Kirschbaumblüte Ende April. Es ist einfach ein riesen Volksfest, bei dem man Freunde und Bekannte unter einem Kirschbaum trifft.
Das ganze Land scheint auf den Beginn der Blüten hinzufiebern. Nachrichten und Zeitungen beschäftigen sich ausführlich mit dem Thema, wann denn die Kirschblüte dieses Jahr endlich losgehen mag. Die Zeit während der Kirschblüte wird dann auch ausgiebig genutzt. Der besondere Reiz an der Schönheit der Blüten ist ihre Vergänglichkeit, denn nach 14 Tagen ist alles vorbei.
Wegen der bereits erwähnten Bevölkerungsdichte ist die ganze Gesellschaft ist darauf ausgelegt, auf engstem Raum miteinander zu leben. Was eng wirklich bedeutet, kann man sich wahrscheinlich nur vorstellen, wenn man in einer U-Bahn steht und meint sie wäre voll, da man schon zwischen seinen Nachbarn eingeklemmt wird. Es wird aber immer noch Platz geben für einen Kinderwagen und weiteren zehn Personen.
Auch der Wohnbereich ist sehr begrenzt. Deshalb lädt man Freunde Bekannte und Arbeitskollegen nur selten nach Hause ein. Man trifft sich vielmehr außerhalb der eigenen vier Wände, in Gaststätten und Restaurants. Dort gibt es obendrein auch eine reichliche Auswahl kulinarische Köstlichkeiten, die weit über das Sushi hinausgehen.
Das Land habe ich stets als hilfsbereit und freundlich gegenüber Fremden empfunden. Obwohl ich mich wie ein Analphabeth fuehlte, da ich kaum Kanji lesen und nur wenig Japanisch sprechen kann, habe ich mich sehr gut und sehr schnell zurecht gefunden. Japaner sind immer bemüht Fremden zuhelfen. Man braucht halt nur etwas Geduld, ein freundliches Laecheln, wenn man mal wieder nichts verstanden hat und so kommt man immer ans Ziel.
Während meiner Zeit in Japan hatte ich immer den Eindruck, dass alles sehr kompliziert und bürokratisch abläuft.
Mit wenig Sprachkenntnisse und trotz Hilfe von Arbeitskollegen und anderen Praktikanten, wird es eine Zeit dauern, bis man sich in die alltäglichen Abläufe eingefunden hat.
Zum Telefonieren braucht man ein internationales Telefon, was schwer zu finden ist, oder eine Brastel Smart Phone Card, die auch ersteinmal gefunden werden muss, um sich mal eben zu Hause nach der Ankunft zu melden.
Ein anderes Beispiel ist das Zugfahren. Es ist ein perfekt aufeinander abgestimmtes System. Verspätungen oder Verzögerungen gibt es kaum und sind deshalb nicht wahrnehmbar. Man kann sich anhand der Uhrzeit orientieren, ob man im richtigen Zug sitzt und in die richige Richtung fährt.
Alleine die Übersicht über dieses System zu erlangen ist sehr aufwendig und benötigt einige Versuche und Fehlversuche. Wenn man das System dann aber einmal verstanden hat, weiß man sehr schnell die Vorzüge zu genießen.
Die Robert Bosch GmbH, mit Hauptsitz in Stuttgart, besteht aus drei Unternehmensbereichen. Kraftfahrzeugtechnik, Industrietechnik und Gebrauchsgüter und Gebäudetechnik. Bosch Chassissysteme ist eine Divison des Bereiches Kraftfahrzeugtechnik. Die deutsche Division Chassissysteme ist unterteilt in vier Business Units. Im Unterschied zu Deutschland sind diese Business Units in Japan zu einer grossen Business Unit zusammengefasst.
Meine Hauptaufgabe bei der Robert Bosch GmbH war die Einführung von Werkzeugen zur Optimierung des Simultaneous Engineering. Dazu koordinierte ich innerhalb der Abteilung und abteilungsübergreifend, um Barrieren organisatorischer Art aus dem Weg zu räumen.
Darüberhinaus erstellte ich Präsentationen für Führungskräfte, oder organisierte die richtige Vergabe der Zugriffsrechte im Firmeninternen Netzwerk.
Dazu waren Absprachen mit den zuständigen japanischen Kollegen aus allen Abteilungen notwenig, sowie die Korrespondenz mit Deutschland-
Meine Kollegen waren stets hilfsbereit, wenn gleich auch sehr zurückhaltend. Nur wenige suchten den Kontakt. Meistens waren es Sprachbarrieren. Doch auch die Mitarbeiter, die gut deutsch sprachen waren mit der Kontaktaufnahme eher zurückhaltend.
Gute Möglichkeiten der Kontaktaufnahme hatte ich besonders aufgrund meiner Aufgabe, bei der ich abteilungsübergreifend mit den Mitarbeitern kommunizieren mußte.
Als ich mich zu Beginn des Praktikums versuchte einzuleben, habe ich einige Male versucht Hilfe von meinen Arbeitskollegen zu bekommen. Dies hat immer hervorragend geklappt. Es gab Situationen, in denen ich einen Mitarbeiter über ein Thema befragt habe, in dem er sich nicht hundertprozentig sicher war. Da hat er sich halt bei den anderen Kollegen erkundigt und kurze Zeit später waren fünf Mitarbeiter mit meinem Problem beschäftigt.
Jeder Tag war ein Erlebnis und ich habe jeden Tag genossen. Ich kann jedem nur empfehlen diese fremde Kultur selber zu erleben. Mir hat es geholfen die Dinge aus einer neuen Sicht zu sehen und das bei aller Unterschiedlichkeiten, die wir feststellen mögen, wir uns in einer bemerkenswerten Art und Weise doch ähnlich sind.



