Südafrika, Port Elisabeth, auf der anderen Seite des Äquators

Frank Naumann, Studiengang Informatik in Gelsenkirchen

Der Ort:

PE (Port Elisabeth) ist ein riesiges Dorf mit ca. 1 Mio. Einwohnern. Durch den Tiefseehafen ist PE‘s industrielle Bedeutung relativ groß. Viele deutsche Automobil Hersteller sind hier in der Umgebung angesiedelt(VW, Mercedes, BMW). Aber PE zieht auch Touristen an. Zwar hat die Stadt keine großartigen Denkmäler und auch das Nachtleben ist im Vergleich zum nahen Cape Town eher verschlafen, aber dafür sind die kriminellen Aktivitäten auch relativ gering. 

Die Ankunft:

20h nach meinem Abflug erreiche ich PE. Zum ersten mal richtig weit weg vom geliebten Ruhrgebiet. Meine Chefs erwarten mich am Flughafen. Um mich aufzulockern, laden sie mich erst einmal auf ein Bier in der Flughafenkneipe ein, doch keine Chance. Ich trinke weder ein Bier noch schaffe ich es mich ein wenig zu entspannen. Der ältere Boss (Hilary) versucht ein fachliches Gespräch mit mir zu führen. Erstens redet er zu leise und zweitens sind meine Englischkenntnisse doch geringer als ich dachte. Ich hatte mir extra Dr. Jekyll and Mr. Hyde als englische Trainlektüre für Zehntklässler angeeignet. Da ich es ziemlich flott durchlesen konnte,

meinte ich gut vorbereitet zu sein. Von wegen!

Nach kurzer Absprache teilt mir mein jüngerer Boss (Vaughn) mit, daß ich in seiner Gartenlaube wohnen kann, bis ich eine andere Unterkunft gefunden habe. Als er mir vor seinem Haus den Zahlencode der elektrisch verschlossenen Tür gibt, ist mir mulmig im Bauch. Es ist, als ob man jemanden den man erst 30 min kennt den eigenen Türschlüssel in die Hand drückt. Vertrauen gegen Vertrauen. Eine unruhige Nacht und eine erfrischende Dusche später stehe ich dann endlich im Office.

Ein Arbeitsplatz mit Rechner steht schon für mich bereit. Nachdem ich ein wenig mit der Konfiguration des Rechners herumgespielt habe, macht sich in mir ein Gefühl von Sicherheit breit. Vertraute Welt am anderen Ende der Welt. Am nächsten Tag dann mein erstes Projekt: Ein kleines Visual Basic Programm, mit dem man die Werkssirenen in der nahegelegenen Firma Delta Struandale ansteuern und automatisieren kann.

Die Arbeit am Projekt stellt sich als ideale Möglichkeit heraus, sich vor dem sozialen Umfeld zu verstecken. Somit hocke ich die ersten Wochen nur vor meinem PC. Die 3 Tuben Sonnencreme helfen mir bei der Erkältung die ich mir in der Gartenlaube einfange nur wenig. Klar ist der südafrikanische Frühling meist wärmer als der deutsche Herbst, aber es gibt hier halt kein Central Heating wie überall in Deutschland.

Nach drei Wochen zerrt mich ein Mitarbeiter, Brett, dann endlich zu einem Billiardspiel. Wir bleiben nur für 3 Bier, doch es war der Beginn meines interkulturellen Praxissemesters. Zwei Wochen später gehen wir schon regelmäßig 3 mal die Woche zum Billiard - Pub.

Der Aufenthalt:

Generell bin ich der Meinung, daß die Leute in Süd Afrika lockerer sind als wir hier. Ich weiß dabei nicht, ob es an ihrer unterschiedlichen Lebensphilosophie liegt oder daran, daß sie viel mehr Sonne haben als das graue Deutschland. Auf jeden Fall hat es mich überrascht, als Clair nach drei Bier auf dem Weg zu einem Pub auf einmal in einen Busch gesprungen ist. Erst hab ich nur verwundert geguckt, aber dann haben es alle gemacht: Busch Diving. Wir kamen ziemlich zerfleddert im Pub an, aber das war kein Problem. Auch als Vaughn am letzten Tag eines Visual Basic Abendschulkurses den Kopf in den Nacken legte, sich die Faust vor den Mund hielt und schluckende Geräusche von sich gab um den folgenden Kneipengang einzuläuten, hat mich das erst verwundert. Außerdem ist das isolierte Gruppenverhalten nicht so ausgeprägt wie hier.

Wenn zum Beispiel im Billiard-Pub alle Tische besetzt sind, so geht man einfach zu einem Tisch und legt eine Münze an den Rand. Ist das aktuelle Spiel dort beendet spielt man mit der Münze gegen den Gewinner. Falls man dann noch das Spiel gewinnt „gehört“ einem der Tisch und man spielt gegen den nächsten Herausforderer. Die Spieler-Teams an einem Tisch wechseln also ständig. Legt man hier in Deutschland eine Münze an einen besetzten Tisch, dann kann es passieren, daß die Leute so gucken, als ob man ihr Privateigentum stehlen wollte.

Das Unternehmen:

Man-Machine Dynamics ist ein junges 13 Köpfe Unternehmen, das zum einen in der Industrie Komplettlösungen mit Soft- und Hardware Support verkauft, und zum anderen Netzwerkinstallation und Administration für Großkunden wie New Times Media bereitstellt. Es werden zu meiner Überraschung auch PC an Privatkunden verkauft, aber „The company must not be specialised. The company just needs to make money!“. Die beiden Bosse sind älter(Vaughn 35, Hilary, 45) aber alle anderen bis auf Ray (35) sind in meinem Alter, also Mitte zwanzig. Das war für mich natürlich angenehm. Die Philosophie die dahinter stand war eine Art Eltern-Kind Beziehung zwischen den Chefs und uns. Dementsprechend war das Betriebsklima auch erfrischend lustig und es gab keine großen Kompetenzkämpfe.

Arbeitszeit:

Montags bis Freitags 9h am Tag von 8 bis 17 Uhr. Stolze 5 Tage Urlaub für 5 Monate Beschäftigung. Manchmal sitze ich morgens mit einem Kater vor meinen PC und bestaune den Bildschirmschoner weil ich mich auf die Arbeit eh nicht konzentrieren kann. Aber die Arbeit bei Man-Machine Dynamics ist wie der Name schon impliziert dynamisch. Wenn nicht zu viel zu tun ist, kann man sich schon mal ein paar Stunden am Morgen vom gestrigen Abend erholen. Anderseits bin ich manchmal auch am Wochenende oder während des Urlaubs für MMD aktiv, wenn es die Situation erfordert.

Der Finanzielle Aspekt:

Bisher ist zwar noch kein Student darauf eingegangen, aber für die meisten von uns ist es ja dann schon wichtig. Die „Wie teuer wird es wohl werden?“ Frage. Darum liste ich hier einmal alles auf.

Pauschalkosten: 

Flug Düsseldorf - CapeTown 

und zurück (Air France) € 820,00 

Auslandskrankenversicherung

5 Monate (DKV) € 85,00

Arbeitsvisa für Südafrika € 52,00 

Internationaler Führerschein 

2 Jahre gültig € 11,00

Unterhaltsrechnung: 

Miete (WG) einschl. Maid, 

Telefon, Elektrizität 

(5 min vom Strand) € 130,00

Lebensmittel 

(Spar: gute Qualität) € 180,00 

Gesamt (ohne 5 Abende

die Woche auszugehen) € 310,00 

Gesamt (mit 5 Abenden 

die Woche Ausgang) € 520,00 

Gehalt (MMD) € 335,00 

Fazit: 

Wie man sicherlich schon erkennen kann, hat es mir super gefallen. Die Leute waren am Anfang, trotz Sprachschwierigkeiten, immer bemüht mir Gesellschaft zu leisten, und nahmen mich überall hin mit. Ich kann Euch nur raten ein Praxissemester im Ausland zu versuchen. Falls Ihr eine Diplomarbeit im Ausland macht oder dort als Absolvent arbeiten wollt, wird wahrscheinlich schon mehr von euch erwartet.

Für mich war das Praxissemester eher so etwas wie ein Freischuß. Später wird es immer schwieriger und somit unwahrscheinlicher im Ausland zu arbeiten. Laßt euch die Chance daher nicht durch die Lappen gehen und verschiebt es nicht zu weit nach hinten.