Erfahrungsbericht über den Aufenthalt bei der Firma Fujitsu Ltd., Kawasaki
Oliver Wagener und Andreas Evers, Studiengang Elektrotechnik Gelsenkirchen
Im Dezember 1998 wurden wir von unserem Professor Martin Pollakowski angesprochen, ob wir nicht an einer Diplomarbeit im Ausland interessiert sind. Durch seine guten Verbindungen zur Firma Fujitsu Telekom Deutschland in Dreieich bestand die Möglichkeit solch ein Projekt in Angriff zu nehmen. Er bot uns die beiden Fujitsu Standorte London, England und Kawasaki, Japan an. Für Japan entschieden wir uns, da wir darin eine Chance sahen, eine für uns unbekannte Kultur und die Arbeitsweise in einem japanischen Weltunternehmen kennenzulernen. Sehr viel Zeit wurde nach der Entscheidung benötigt um Stipendienanträge vorzubereiten. Hierfür wurden u.a. ein Sprachtest und eine ausführliche Begründung benötigt. Leider wurden unsere Anträge vom DAAD nicht genehmigt, aber wir entschlossen uns trotzdem das Abenteuer Japan in Angriff zunehmen. Im Oktober 1999 kam dann das endgültige OK, da wir unbedingt zu diesem Termin mit allen Klausuren fertig werden mußten. Von da an verging die Zeit wie im Flug, da parallel zur Einarbeitung in die Diplomarbeit auch die Vorbereitungen zu solch einem langen Aufenthalt sehr viel Zeit in Anspruch nahmen.
Firma und Abteilung: Die Firma Fujitsu Ltd. in Kawasaki beschäftigt zur Zeit ca. 13000 Mitarbeiter an diesem Hauptstandort. Dort befinden sich die Geschäftsleitung, Produktionsstätten, Forschungs- und Entwicklungsabteilungen. Es ist ein eigenes Krankenhaus vorhanden und es gibt sogar Einkaufsmöglichkeiten für die Angestellten. In der Freizeit besteht die Möglichkeit ein firmeneigenes Sportzentrum u.a. mit Schwimmbad zu nutzen. Die Abteilung in der wir 12 Wochen gearbeitet haben, nennt sich Wireless Project Group. Sie befaßt sich ausschließlich mit der Forschung für das neue Mobilfunknetz UMTS (IMT-2000) und befindet sich in den Fujitsu Laboratories Ltd. In dieser Abteilung arbeiten ca. 30 Mitarbeiter, wovon eine große Anzahl (ca. 10) Trainees, die aus China bzw. Singapur kommen, bei Fujitsu angestellt sind. Schwierig war am Anfang heraus zu finden, wie die Abteilung gegliedert ist. In dieser Abteilung hat jeder ein eigenes Projekt zu bearbeiten und daher standen nur gewisse Personen für uns als Ansprechpartner zur Verfügung. Die Hilfsbereitschaft und Unterstützung war sehr gut, nur manchmal haperte es mit der englischen Sprache von japanischer Seite. Die Japaner können zwar alle sehr gut englische Texte lesen und schreiben, tun sich aber schwer beim Sprechen. Die schriftlichen Dokumente die wir erhalten, haben waren alle sehr gut und aktuell.
Thema der Diplomarbeit: Titel der Diplomarbeit war "Computer simulation and theoretical analysis for uplink voice channel capacity in W-CDMA (Wideband- Code Division Multiple Access)". Um diese Kapazitätsanalyse durchzuführen benutzten wir ein C - Programm der Firma Fujitsu. Mit diesem konnte man alle notwendigen Werte errechnen, die zur Bestimmung der Kapazität in einem Mobilfunknetz nötig sind. Zu Anfang unseres Aufenthaltes mußten wir uns ausführlich mit den neuen Informationen auseinandersetzten. Später wendeten wir das Simulationsprogramm an und bestimmten für verschiedene Voraussetzungen die Kapazität in einer Mobilfunkzelle. Die Arbeit gestaltete sich als sehr interessant, da es sich hierbei um ein sehr aktuelles Thema handelt und die japanische Technologie in diesem Bereich schon wesentlich weiter entwickelt ist als in Europa.
Land und Leute: Zuerst kann man feststellen, daß das japanische Volk sehr freundlich und aufgeschlossen ist. Sauberkeit und Kundenfreundlichkeit sind Merkmale die weltweit ihres gleichen suchen. Bei Problemen wurde uns jederzeit geholfen, sowohl auf der Arbeit als auch bei Aktivitäten in der Freizeit. In Japan kann man sich auch ohne Kenntnisse der japanischen Sprache zurechtfinden. In Tokyo und Umgebung ist mehr oder weniger alles in japanisch und englisch ausgeschildert. Von daher konnten wir uns recht schnell an das Zugsystem gewöhnen und jeden beliebigen Ort ohne Probleme erreichen. Das Land gehört wohl zu den sichersten Ländern der Welt und ist gleichzeitig auch das teuerste Land der Welt. Die Preise für Lebensmittel sind teilweise 3-4 mal so hoch wie in Deutschland und für Luxusgüter muß oft noch mehr im Vergleich zu Deutschland gezahlt werden. Die Wohnfläche in Wohnungen und Häuser ist um ein vielfaches geringer, aber auch gleichzeitig um dieses Vielfache teuerer als in Deutschland. Während unseres Aufenthaltes in Japan haben wir auch einige Ausflüge unternommen. Besucht wurde z.B. die alte Kaiserstadt Kyoto, in der man noch sehr viele traditionelle Häuser vorfinden kann. Besonders imponierend sind die alten Tempel und Schreine die man überall im Land besichtigen kann. Ein weiterer Höhepunkt war ein Tagesausflug zum Fuji-san der ein Wahrzeichen des Landes ist. Er ragt mit seiner weißen Schneekuppe 3767m in die Höhe und steht wie ein Kegel in der sonst recht ebenen Landschaft.
Unterbringung: Die Unterbringung erfolgte in einem Wohnheim der Firma Fujitsu. Die Zimmer in diesem Wohnheim waren ca. 10qm groß und sind jeweils mit einem Bett und einem Schrank ausgestattet. Der Aufenthaltsraum mit Fernseher, die Sanitäreinrichtungen und die Küche wurden von allen Hausbewohnern geteilt. Desweiteren bestand die Möglichkeit zum Waschen, Trocknen und Bügeln. Die Sauberkeit im Wohnheim war im Vergleich zu deutschen Studentenwohnheimen mehr als gut.
Fazit: Wir können nur jedem Studenten raten, wenn ihm solch eine Chance angeboten wird, diese auch zu nutzen. Während des Aufenthaltes konnten wir z.B. Auslandserfahrung sammeln, unsere Englischkenntnisse verbessern und viel technisches Wissen dazu lernen. Nicht vergessen darf man, daß wir dort viele neue Freunde gefunden und eine unbekannte Kultur miterlebt haben.



