Yebo Südafrika!

Rolf Mecking, Fachbereich Maschinenbau Gelsenkirchen

Praxissemester an der University of the Witwatersrand, Johannesburg.

Von Oktober 97 bis März 98. 

Ankunft/Erwartungen 

Sommer, Sonne und Hitze in der Stadt des Goldes. Irgend so etwas erwartete ich bei meinem Anflug auf Johannesburg. Aber jetzt nach der Landung muß ich feststellen, daß es hier doch eher kühl und wolkig ist und unserem Oktoberwetter in Deutschland gleicht. 

Nachdem ich vom Flughafen abgeholt wurde, standen mir nun zwei Tage Bürokratie bevor, die nötig waren um ein Projekt, ein Laborplatz, Schlüssel und Sicherheitskarten zu bekommen. Probleme gab es auch anfänglich mit der Unterkunft, die der holländische Vermittler nicht wie angekündigt besorgt hatte. Nach zwei Notunterkünften habe ich aber schließlich durch eine Zeitungsanzeige eine Wohngemeinschaft gefunden. Dieses ist ein Einfamilienhaus mit Garten, und natürlich wie alle Häuser in Johannesburg mit einem Pool. In dieser Wohngemeinschaft lebe ich mit vier netten Leuten, drei Südafrikanern und einer Britin. Außerdem kommt einmal die Woche eine Maid und das Wetter stellt sich auf Sommer und Sonne ein, so daß ich mich hier sehr wohl fühle. 

Johannesburg 

Johannesburg an sich ist bis auf die alte Innenstadt, eine sehr grüne Stadt, man sagt die grünste Großstadt der Welt. Sie hat aber auch ein kleines Kriminalitätsproblem (eigentlich das Größte der Welt). So ist es nicht verwunderlich, daß ich in einem Stadtteil in einem Fast-Food-Laden, Bedienstete antreffe, die hinter Pan zerglas Burger verkaufen und eigentlich alle Einfamilienhäuser von einer hohen Mauer umgeben sind. Aber man lernt mit dieser Tatsache umzugehen. Ermutigend ist auch, daß die Zeit der politischen Unruhen jetzt um Jahre zurückliegt und die Kriminalitätszahlen rückläufig sind. 

Die größte Stadt und der Wirtschaftsmittelpunkt von Südafrika hat natürlich neben zahlreichen Einkaufszentren auch im Nachtleben einiges zu bieten, von diversen Pubs bis Nightclubs für jede Musikrichtung, in denen man auch bis morgens durchfeiern kann. 

Arbeiten/Universität 

Mit meiner Arbeitsstelle im Labor der Universität bin ich sehr zufrieden. Ich kann selbständig an einem Projekt arbeiten und es herrscht ein gutes Arbeitsklima. Auf dem Campus merkt man warum sich Südafrika die nach Kapstadt. Dort trafen wir uns mit mehreren Leuten aus Johannesburg und feierten Silvester in der City von Kapstadt mit einer großen Straßenparty. 

Freizeit 

In einem zweitem Urlaub, nach Ende der Arbeitszeit, reise ich mit einem Holländer durch Lesotho, einem kleinen Land, so groß wie Belgien inmitten Südafrika. Die staubigen Straßen ziehen sich entlang grüner Hänge durch das "Mountain Kingdom" vorbei an Ziegenhirten und Lehmhüttendörfern und ich bin begeistert von der Freundlichkeit der Basothos. Interessant ist auch, daß ein Fahnenmast mit gelber Fahne an einer Hütte bekannt gibt, daß hier frisch Bier gebraut wurde. Leider ist dieses aber Maisbier und schmeckt ziemlich sauer. "Regenbogennation" nennt, man sieht Studenten jeglicher Herkunft, Europäer, Afrikaner, Chinesen, Inder, usw. 

Unglücklicherweise hatte die Universität über Weihnachten und Neujahr wegen Sommerferien geschlossen, so daß ich die Zeit mit nichts besserem als Urlaub verbringen konnte. Mit einem Holländer und einem Deutschen fuhr ich dann die endlose Strecke bis zur Indischen Ozeanküste und runter nach Kapstadt (über 1400 km). Dabei ging es durch weite einsame Graslandschaften, dann entlang der "Garden Route", dem bergigen grünen Küstenstreifen mit schönen Sandstränden, und weiter über Stellenbosch, einem Weinanbaugebiet 

Rückflug/Ausblick 

Nachdem ich wieder zurück in Johannesburg bin, einige Tage vor meinem Rückflug nach Deutschland, muß ich nun noch versuchen meinen Wagen (82er Golf) zu verkaufen. Mit dem hatte ich übrigens einige Abenteuer. So hat er einmal Öl gespuckt, ist der Gaszug gerissen, ist ein Wasserschlauch geplatzt und der Motor hat gebrannt, das Ganze natürlich jeweils im Niemandsland, hunderte Kilometer bis zur nächsten Werkstatt. Aber irgendwie haben wir ihn dann immer geflickt und er fuhr weiter. 

Meinen Wagen werde ich wahrscheinlich nicht vermissen, jetzt wo ich zurück nach Deutschland fliege, aber sicher die Leute die ich kennengelernt habe, die Landschaft und natürlich den super Sommer.

Also, ich kann jedem nur raten auch mal in ein anderes Land für einige Zeit rein zuschnuppern. Wer das nicht macht ist selber schuld.