Wissenschaftszeitvertragsgesetz (WissZeitVG) vom 17. Januar 2007

Das Ge­setz wur­de als Ar­ti­kel 1 des Ge­set­zes v. 12.04.2007 (BGBl. I S. 506) vom Bun­des­tag be­schlos­sen. Es ist gem. Art. 5 die­ses Ge­set­zes am 18.04.2007 in Kraft ge­tre­ten.

§ 1 WissZeitVG - Befristung von Arbeitsverträgen

(1) Für den Ab­schluss von Ar­beits­ver­trä­gen für ei­ne be­stimm­te Zeit (be­fri­ste­te Ar­beits­ver­trä­ge) mit wis­sen­schaft­li­chem und kün­stle­ri­schem Per­so­nal mit Aus­nah­me der Hoch­schul­leh­re­rin­nen und Hoch­schul­leh­rer an Ein­rich­tun­gen des Bil­dungs­we­sens, die nach Lan­des­recht staat­li­che Hoch­schu­len sind, gel­ten die §§ 2 und 3. Von die­sen Vor­schrif­ten kann durch Ver­ein­ba­rung nicht ab­ge­wi­chen wer­den. Durch Ta­rif­ver­trag kann für be­stimm­te Fach­rich­tun­gen und For­schungs­be­rei­che von den in § 2 Abs. 1 vor­ge­se­he­nen Fri­sten ab­ge­wi­chen und die An­zahl der zu­läs­si­gen Ver­län­ge­run­gen be­fri­ste­ter Ar­beits­ver­trä­ge fest­ge­legt wer­den. Im Gel­tungs­be­reich ei­nes sol­chen Ta­rif­ver­tra­ges kön­nen nicht ta­rif­ge­bun­de­ne Ver­trags­par­tei­en die An­wen­dung der ta­rif­li­chen Re­ge­lun­gen ver­ein­ba­ren. Die ar­beits­recht­li­chen Vor­schrif­ten und Grund­sät­ze über be­fri­ste­te Ar­beits­ver­trä­ge und de­ren Kün­di­gung sind an­zu­wen­den, so­weit sie den Vor­schrif­ten der §§ 2 bis 6 nicht wi­der­spre­chen.

(2) Un­be­rührt bleibt das Recht der Hoch­schu­len, das in Ab­satz 1 Satz 1 be­zeich­ne­te Per­so­nal auch in un­be­fri­ste­ten oder nach Maß­ga­be des Teil­zeit- und Be­fri­stungs­ge­set­zes be­fri­ste­ten Ar­beits­ver­hält­nis­sen zu be­schäf­ti­gen.

§ 2 WissZeitVG - Befristungsdauer; Befristung wegen Drittmittelfinanzierung

(1) Die Be­fri­stung von Ar­beits­ver­trä­gen des in § 1 Abs. 1 Satz 1 ge­nann­ten Per­so­nals, das nicht pro­mo­viert ist, ist bis zu ei­ner Dau­er von sechs Jah­ren zu­läs­sig. Nach ab­ge­schlos­se­ner Pro­mo­tion ist ei­ne Be­fri­stung bis zu ei­ner Dau­er von sechs Jah­ren, im Be­reich der Me­di­zin bis zu ei­ner Dau­er von neun Jah­ren zu­läs­sig; die zu­läs­si­ge Be­fri­stungs­dau­er ver­län­gert sich in dem Um­fang, in dem Zei­ten ei­ner be­fri­ste­ten Be­schäf­ti­gung nach Satz 1 und Pro­mo­tions­zei­ten oh­ne Be­schäf­ti­gung nach Satz 1 zu­sam­men we­ni­ger als sechs Jah­re be­tra­gen ha­ben. Die nach den Sät­zen 1 und 2 ins­ge­samt zu­läs­si­ge Be­fri­stungs­dau­er ver­län­gert sich bei Be­treu­ung ei­nes oder meh­re­rer Kin­der un­ter 18 Jah­ren um zwei Jah­re je Kind. In­ner­halb der je­weils zu­läs­si­gen Be­fri­stungs­dau­er sind auch Ver­län­ge­run­gen ei­nes be­fri­ste­ten Ar­beits­ver­tra­ges mög­lich.

(2) Die Be­fri­stung von Ar­beits­ver­trä­gen des in § 1 Abs. 1 Satz 1 ge­nann­ten Per­so­nals ist auch zu­läs­sig, wenn die Be­schäf­ti­gung über­wie­gend aus Mit­teln Drit­ter fi­nan­ziert wird, die Fi­nan­zie­rung für ei­ne be­stimm­te Auf­ga­be und Zeit­dau­er be­wil­ligt ist und die Mit­ar­bei­te­rin oder der Mit­ar­bei­ter über­wie­gend der Zweck­be­stim­mung die­ser Mit­tel ent­spre­chend be­schäf­tigt wird. Un­ter den Vo­raus­set­zun­gen des Sat­zes 1 ist auch die Be­fri­stung von Ar­beits­ver­trä­gen des nicht­wis­sen­schaft­li­chen und nicht­kün­stle­ri­schen Per­so­nals zu­läs­sig.

(3) Auf die in Ab­satz 1 ge­re­gel­te zu­läs­si­ge Be­fri­stungs­dau­er sind al­le be­fri­ste­ten Ar­beits­ver­hält­nis­se mit mehr als ein­em Vier­tel der re­gel­mäßi­gen Ar­beits­zeit, die mit ei­ner deut­schen Hoch­schu­le oder ei­ner For­schungs­ein­rich­tung im Sin­ne des § 5 ab­ge­schlos­sen wur­den, so­wie ent­spre­chen­de Be­am­ten­ver­hält­nis­se auf Zeit und Pri­vat­dienst­ver­trä­ge nach § 3 an­zu­rech­nen. An­ge­rech­net wer­den auch be­fri­ste­te Ar­beits­ver­hält­nis­se, die nach an­de­ren Rechts­vor­schrif­ten ab­ge­schlos­sen wur­den. Zei­ten ei­nes be­fri­ste­ten Ar­beits­ver­hält­nis­ses, die vor dem Ab­schluss des Stu­diums lie­gen, sind auf die nach Ab­satz 1 zu­läs­si­ge Be­fri­stungs­dau­er nicht an­zu­rech­nen.

(4) Im Ar­beits­ver­trag ist an­zu­ge­ben, ob die Be­fri­stung auf den Vor­schrif­ten die­ses Ge­set­zes be­ruht. Fehlt die­se An­ga­be, kann die Be­fri­stung nicht auf Vor­schrif­ten die­ses Ge­set­zes ge­stützt wer­den. Die Dau­er der Be­fri­stung muss bei Ar­beits­ver­trä­gen nach Ab­satz 1 ka­len­der­mäßig be­stimmt oder be­stimm­bar sein.

(5) Die je­wei­li­ge Dau­er ei­nes be­fri­ste­ten Ar­beits­ver­tra­ges nach Ab­satz 1 ver­län­gert sich im Ein­ver­ständ­nis mit der Mit­ar­bei­te­rin oder dem Mit­ar­bei­ter um

Zei­ten ei­ner Be­ur­lau­bung oder ei­ner Er­mäßi­gung der Ar­beits­zeit um min­de­stens ein Fünf­tel der re­gel­mäßi­gen Ar­beits­zeit, die für die Be­treu­ung oder Pfle­ge ei­nes oder meh­re­rer Kin­der un­ter 18 Jah­ren oder pfle­ge­be­dürf­ti­ger son­sti­ger An­ge­hö­ri­ger ge­währt wor­den sind,

Zei­ten ei­ner Be­ur­lau­bung für ei­ne wis­sen­schaft­li­che oder kün­stle­ri­sche Tä­tig­keit oder ei­ne außer­halb des Hoch­schul­be­reichs oder im Aus­land durch­ge­führ­te wis­sen­schaft­li­che, kün­stle­ri­sche oder be­ruf­li­che Aus-, Fort- oder Wei­ter­bil­dung,

Zei­ten ei­ner In­an­spruch­nah­me von El­tern­zeit nach dem Bun­des­el­tern­geld- und El­tern­zeit­ge­setz und Zei­ten ei­nes Be­schäf­ti­gungs­ver­bots nach den §§ 3, 4, 6 und 8 des Mut­ter­schutz­ge­set­zes in dem Um­fang, in dem ei­ne Er­werbs­tä­tig­keit nicht er­folgt ist,

Zei­ten des Grund­wehr- und Zi­vil­dien­stes und

Zei­ten ei­ner Frei­stel­lung im Um­fang von min­de­stens ei­nem Fünf­tel der re­gel­mäßi­gen Ar­beits­zeit zur Wahr­neh­mung von Auf­ga­ben in ei­ner Per­so­nal- oder Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung, von Auf­ga­ben ei­nes oder ei­ner Frau­en- oder Gleich­stel­lungs­be­auf­trag­ten oder zur Aus­übung ei­nes mit dem Ar­beits­ver­hält­nis zu ver­ein­ba­ren­den Man­dats.

Ei­ne Ver­län­ge­rung nach Satz 1 wird nicht auf die nach Ab­satz 1 zu­läs­si­ge Be­fri­stungs­dau­er an­ge­rech­net. Sie soll in den Fäl­len des Sat­zes 1 Nr. 1, 2 und 5 die Dau­er von je­weils zwei Jah­ren nicht über­schrei­ten.

§ 3 WissZeitVG - Privatdienstvertrag

Für ei­nen be­fri­ste­ten Ar­beits­ver­trag, den ein Mit­glied ei­ner Hoch­schu­le, das Auf­ga­ben sei­ner Hoch­schu­le selb­stän­dig wahr­nimmt, zur Un­ter­stüt­zung bei der Er­fül­lung die­ser Auf­ga­ben mit über­wie­gend aus Mit­teln Drit­ter ver­gü­te­tem Per­so­nal im Sin­ne von § 1 Abs. 1 Satz 1 ab­schließt, gel­ten die Vor­schrif­ten der §§ 1, 2 und 6 ent­spre­chend. Für nicht­wis­sen­schaft­li­ches und nicht­kün­stle­ri­sches Per­so­nal gilt § 2 Abs. 2 Satz 2 und Abs. 4 Satz 1 und 2 ent­spre­chend.

§ 4 WissZeitVG - Wissenschaftliches Personal an staatlich anerkannten Hochschulen

Für den Ab­schluss be­fri­ste­ter Ar­beits­ver­trä­ge mit wis­sen­schaft­li­chem und kün­stle­ri­schem Per­so­nal an nach Lan­des­recht staat­lich an­er­kann­ten Hoch­schu­len gel­ten die Vor­schrif­ten der §§ 1 bis 3 und 6 ent­spre­chend. Für nicht­wis­sen­schaft­li­ches und nicht­kün­stle­ri­sches Per­so­nal gilt § 2 Abs. 2 Satz 2 und Abs. 4 Satz 1 und 2 ent­spre­chend.

§ 5 WissZeitVG - Wissenschaftliches Personal an Forschungseinrichtungen

Für den Ab­schluss be­fri­ste­ter Ar­beits­ver­trä­ge mit wis­sen­schaft­li­chem Per­so­nal an staat­li­chen For­schungs­ein­rich­tun­gen so­wie an über­wie­gend staat­lich, an in­sti­tu­tio­nell über­wie­gend staat­lich oder auf der Grund­la­ge von Ar­ti­kel 91 b des Grund­ge­set­zes fi­nan­zier­ten For­schungs­ein­rich­tun­gen gel­ten die Vor­schrif­ten der §§ 1 bis 3 und 6 ent­spre­chend. Für nicht­wis­sen­schaft­li­ches Per­so­nal gilt § 2 Abs. 2 Satz 2 und Abs. 4 Satz 1 und 2 ent­spre­chend.

§ 6 WissZeitVG - Rechtsgrundlage für bereits abgeschlossene Verträge; Übergangsregelung

(1) Für die seit dem 23. Fe­bru­ar 2002 bis zum 17. Ap­ril 2007 an staat­li­chen und staat­lich an­er­kann­ten Hoch­schu­len so­wie an For­schungs­ein­rich­tun­gen im Sin­ne des § 5 ab­ge­schlos­se­nen Ar­beits­ver­trä­ge gel­ten die §§ 57 a bis 57 f des Hoch­schul­rah­men­ge­set­zes in der ab 31. De­zem­ber 2004 gel­ten­den Fas­sung fort. Für vor dem 23. Fe­bru­ar 2002 an staat­li­chen und staat­lich an­er­kann­ten Hoch­schu­len so­wie an For­schungs­ein­rich­tun­gen im Sin­ne des § 5 ab­ge­schlos­se­ne Ar­beits­ver­trä­ge gel­ten die §§ 57 a bis 57 e des Hoch­schul­rah­men­ge­set­zes in der vor dem 23. Fe­bru­ar 2002 gel­ten­den Fas­sung fort. Satz 2 gilt ent­spre­chend für Ar­beits­ver­trä­ge, die zwi­schen dem 27. Juli 2004 und dem 31. De­zem­ber 2004 ab­ge­schlos­sen wur­den.

(2) Der Ab­schluss be­fri­ste­ter Ar­beits­ver­trä­ge nach § 2 Abs. 1 Satz 1 und 2 mit Per­so­nen, die be­reits vor dem 23. Fe­bru­ar 2002 in ei­nem be­fri­ste­ten Ar­beits­ver­hält­nis zu ei­ner Hoch­schu­le, ei­nem Hoch­schul­mit­glied im Sin­ne von § 3 oder ei­ner For­schungs­ein­rich­tung im Sin­ne von § 5 stan­den, ist auch nach Ab­lauf der in § 2 Abs. 1 Satz 1 und 2 ge­re­gel­ten je­weils zu­läs­si­gen Be­fri­stungs­dau­er mit ei­ner Lauf­zeit bis zum 29. Fe­bru­ar 2008 zu­läs­sig. Satz 1 gilt ent­spre­chend für Per­so­nen, die vor dem 23. Fe­bru­ar 2002 in ei­nem Dienst­ver­hält­nis als wis­sen­schaft­li­cher oder kün­stle­ri­scher As­si­stent stan­den. § 2 Abs. 5 gilt ent­spre­chend.